Freier Wille

 

2013-02-10_13-50-40

 

Der Mensch

Der Mensch besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffverbindungen, also aus drei Atomen: C, O und H. Dann kommen noch ein paar Atome Stickstoff, Eisen, Phosphor, Schwefel, Natrium, Chlorid, Kalium, Calcium, Magnesium und ein bisschen Kupfer dazu, zu guter Letzt ein Funken Energie – wie bei Dr. Frankensteins Monster – und schon läuft die Bio-Maschine. Das ist die Hardware.

Nun die Software: die Einen nennen es “Geist”, die Anderen “Seele”, Manche sagen “Bewusstsein”. Gemeint ist immer das ICH. Das was als einziger Begriff für die schlichte Existenz steht. Ich denke also bin ich. Jemand der “ich” sagt, meint nie ausschließlich die Materie aus welcher er oder sie besteht.

Die Triebe

Es gibt menschliche Aktivitäten, die laufen praktisch automatisch ab: atmen, verdauen, schwitzen, sabbern… Sie sind in der Hardware verankert, wie die Bewegung der Zeiger einer Uhr durch ein Getriebe und einen Quarzkristall. Es gibt Aktivitäten, die laufen halbautomatisch ab, das heißt bestimmte Zustände rufen eine Aktivität hervor, die aber willkürlich unterdrückt werden kann: urinieren, defäkieren, essen, trinken, Sex haben, flüchten, angreifen, rülpsen, pupsen, weinen… Man spricht hier von Trieben, die sozusagen ganz einfache Programme sind: Ein Reiz (Zustand) löst einen Impuls (Drang) aus. Der Impuls ruft einen Affekt (Aktivität) hervor.

Triebe sind angeboren, also sozusagen schon vorinstallierte Software aber sie können verstärkt oder abgeschwächt werden – zum Beispiel durch Erziehung (Programmierung) oder durch Psychomanipulation (Virus/Malware).

Der freie und der gelenkte Wille

Der menschliche Wille unterdrückt oder verändert den Affekt.

Der Wille kann keinem Zwang unterworfen werden und ist sogar unabhängig vom Können. Er ist also vollkommen frei.

Die bewusste Willensbildung ist das Abwägen zwischen Impulsen (Trieben) und Ideen. Ideen entstehen durch Interpretieren oder Schlussfolgern – Interpretieren dort, wo mehr Ahnung als Wissen ist und Schlussfolgern dort, wo Wissen ist.

So kann sich zum Beispiel die Vorstellung von richtigem und falschem Handeln durch Interpretation von religiösen Texten und/oder durch Wissen um die Konsequenzen dieses Handelns bilden. Diese ganz persönliche Idee von Richtig und Falsch kann unter Umständen gegensätzlich zu den eigenen Trieben sein.

So stellt sich nun die freie Willensbildung als innere Arbeit oder gar als innerer Kampf dar. Diese Arbeit zu leisten oder diesen Kampf zu kämpfen ist mühsam und verbraucht daher Energie.

Im Gegensatz dazu läuft die unbewusste Willensbildung vollkommen mühelos ab. Dabei wird den Trieben freien Lauf gelassen. Dem unreflektierten Menschen stellt sich die automatische Handlung als gewollt dar, weil er den inneren Drang mit seinem freien Willen verwechselt. Dabei lassen sich auch komplexe und gut geplante Handlungen auf elementare Triebbefriedigung zurückführen. Wird der Wille derart unbewusst gebildet, so kann er von außen beeinflusst werden, in dem bestimmte Triebe angesprochen (geweckt) werden.

In diesem Fall ist der Wille nicht mehr frei, sondern gelenkt.

Die Emanzipation des Menschen von seinen Unterdrückern, beginnt mit seiner Emanzipation von seinen inneren Fesseln.

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Un comentario en “Freier Wille

  1. Pingback: La libertad – Die Freiheit | cubaleman – cubano y alemán

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